Ein Wort: Unglaublich
21.07.2010
Wobei, als ich mich gerade hingesetzt habe, um über das Rennen zu schreiben, haben meine Beine ein klares Zeichen gegeben, dass ich es glauben kann und dass es verdammt hart gewesen ist... Was ich am Sonntag in Roth aus mir rausholen konnte, ist für mich aber immer noch fast unglaublich. Natürlich habe ich vor dem Rennen auch probiert den Druck möglichst gering zu halten und nicht zu große Erwartungen zu schüren. Die Bandbreite der möglichen Ergebnisse war schließlich extrem groß. Das Ergebnis liegt aber für mich noch außerhalb dieser Bandbreite. Wie hört sich denn das auch bitte an: erste Langdistanz, 2. im absoluten Weltklasse-Feld, unter acht Stunden, und noch die (12 Jahre alte) Rad-Bestzeit von Jürgen Zäck geknackt :-) Eben einfach unglaublich. Aber jetzt zum Rennen: Ich war eigentlich sehr entspannt vor dem Start, da ich einfach keinen Druck gespürt habe. Mein Start war wirklich einer der besten, den ich je hatte. Das, was ich eben bei der Kurzdistanz nicht kann, nämlich schnell los schwimmen, spielt beim Ironman eine untergeordnete Rolle. So war ich sogar die ersten Meter auf Platz zwei oder drei. Ich hatte sogar das Gefühl, dass ich das Tempo mitgehen kann, aber dann habe ich mich nochmal daran erinnert, dass das Rennen acht Stunden geht (oder weniger) und habe mich in der Gruppe mit Normann und Michi eingeordnet. Das was mir im Wasser am meisten zu schaffen gemacht hat, war die große Hitze. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Wasser weniger als 25°C hatte. Bis auf ein kleines Privat-Scharmützel verlief das Schwimmen sehr ruhig. Zwischendurch habe ich zwar den Überblick verloren und schon Angst gehabt, dass ich nicht in der "richtigen" Gruppe schwimme, aber nach dem Ausstieg war dann klar, dass ich genau da war, wo ich auch sein wollte, in der Nähe von Normann. Mein Wechsel war dann Kurzdistanz-mäßig deutlich schneller als bei den anderen und ich konnte die ersten Radkilometer ganz locker einrollen. Also habe ich erstmal ein kleines Picknick veranstaltet und alles genommen, was das Bord-Bistro an Powerbar-Variationen zu bieten hatte. Wirklich sehr klug war es mit Normann loszufahren. Ich bin mir sicher, dass ich mich sonst schon auf dem Rad auf den ersten 90km auf den Mond geschossen hätte. So kam mir das Radfahren am Anfang ständig zu langsam vor. Es war wirklich ein großer Vorteil Normann da zu haben, der eine sehr gleichmäßige hohe Pace angeschlagen hat. Wir haben uns alle 10km abgewechselt und konnten den Rückstand ganz gleichmäßig verkleinern. In Greding, dem einzigen richtigen Berg auf der Strecke, habe ich das Tempo dann leicht erhöht, da Michael Göhner zu dem Zeitpunkt noch an uns hing. Von da an haben wir dann auch mehr Druck gemacht und konnten schließlich am Anfang der zweiten Runde Eneko Llanos einsammeln. Nicht viel weiter kam dann auch schon das Führungsfahrzeug in Sicht. Es hat mich schon etwas Beherschung gekostet nicht einfach voll draufzutreten und gleich nach vorne zu pressen. Stattdessen habe ich, wie die anderen Jungs, brav alle 3min an meinem Fläschchen genuckelt und mich ein bisschen entspannt. Schließlich muss man ja Interviews auf dem Rad geben und es ist gut, wenn man das erledigen kann bevor das Rennen dann richtig los geht. Björn Steinmetz, der Renndirektor von Kraichgau, hat mich dann gewarnt, dass wenn wir so weiterbummeln Chrissie Wellington von hinten kommen würde. Also musste was passieren. Eigentlich wollte ich den Jungs in der Radgruppe in Greding am Berg nur mal eine kleine Laktat-Dusche verpassen. Aber als ich dann oben am Berg angekommen war und mich umgeschaut habe, war schon keiner mehr da. Der Berg ist optimal für eine Attacke, da er nach oben nur leicht abflacht und nicht gleich die Abfahrt kommt. Also hab ich mir gedacht "cool, Solarer Berg in Führung ist sicher geil". Und das ist gar kein Ausdruck, die Jungs bei der Tour können ab jetzt sagen, dass in Alp d`Huez Solarer Berg Feeling herscht, nicht umgekehrt. Ein Freund von mir hat gesagt, dass es sich erst ganz am Schluss auf der Radstrecke hart anfühlen darf und genau so war es auch. Lustigerweise hat es sich beim Laufen dann aber gleich richtig gut angefühlt. Kaum einer meiner Trainingsläufe ist langsamer als 4:10 im Schnitt. Gegen eine Mitteldistanz haben sich die ersten 10km wie ein Spaziergang angefühlt. Problem dabei ist bloß, dass bei der Mitteldistanz noch 10 kommen und dann ist es vorbei, hier kommen aber noch 32km... Bis zum Halbmarathon hab ich mal gedacht, warum es denn so ein großes Problem sein soll unter 2:40 zu laufen. Ich habe bis km 20 meinen Vorsprung zu Rasmus Henning sogar noch ausbauen können. Aber was dann passiert ist, einfach unbeschreiblich. Ich habe in meiner Karriere als Sportler schon oft an die Grenze gehen müssen, aber was mit einem passiert, wenn man so überzieht, ist einfach nur krass. Von einem auf den anderen Kilometer hatte ich das Gefühl die Helfer an der Verpflegung hätten mir Batterie-Säure zum Trinken gegeben. Ich wollte keinen Schritt mehr tun. Und da waren es aber noch mehr als 15km. Rasmus hat erst leicht Zeit gut gemacht und dann habe ich auf einmal mehr als eine Minute pro Kilometer verloren. Jetzt kann ich sogar drüber lachen, wie er an mir vorbeigeflogen ist, war einfach Wahnsinn. An dieser Stelle tausend Dank an alle Leute, die an der Strecke standen, vor allem natürlich an die vom Tri-Team, auch wenn ich von da an alles nur noch mit einem leichten Grauschleier wahrgenommen habe, Ihr habt mich ins Ziel getragen. Danke auch an einen Unbekannten auf dem Rad, den ich fast angeheult habe, dass er mir den Abstand nach hinten sagen soll. Während die ersten Kilometer beim Laufen wie im Flug vergangen sind, haben sich die letzten ewig gezogen. Ich habe nur solche Angst gehabt, dass ich anfangen muss zu gehen, dann wäre alles vorbei gewesen. Ich konnte mir nie vorstellen, warum Leute Rennen 2km vor dem Ziel noch verlieren, jetzt weiß ich, dass man das Rennen auch 2km vor dem Ziel aufgeben kann. Das Ende war natürlich einfach Überwältigend. Jetzt weiß ich, warum man Sport auch als Droge bezeichnen kann. Langdistanz macht deinen Körper kaputt, aber du wirst high davon. Schon im Ziel habe ich gewusst, dass das genau das ist, was ich machen will. Wer gaaaanz ausführlich Bescheid Wissen will, der kann sich am Mittwochabend auf triathlon-szene.de ein Live-Interview mit mir und Normann anschauen und natürlich die einschlägigen Internet-Angebote von tri-mag.de und tri2b.com. Für die Danksagungen muss ich nochmal einen extra Blog machen. Im Moment gilt mein größter Dank meiner Freundin, die mir sehr viel Energie und Kraft gibt.
Standby
09.07.2010
die letzten richtig harten Einheiten vor Roth sind erledigt. Dafür war ich nochmal in Freiburg, wo ich die perfekte Betreuung durch meinen Trainer Lubos Bilek genießen konnte. Ich will an dieser Stelle nicht mit großen Zahlen protzen. Das Training war hart, aber auch sehr gut. Es war sehr gut, dass Lubos mal eine komplette Zeitfahr-Trainingseinheit mit dem Auto hinter mir gefahren ist. So konnte ich nie einen Tritt rausnehmen und genau das will ich auch im Rennen zeigen. Natürlich kann man jetzt noch lange über die Taktik im Rennen reden und ich mache mir natürlich auch meine Gedanken. Aber einens ist klar, es ist meine erste Langdistanz, es kann alles passieren, der Sieg ist genau so wahrscheinlich wie ein Ausstieg bei Marathon Km 30. Also will ich mich nicht zu sehr damit befassen, was alles passieren kann, sondern es einfach auf mich zukommen lassen. Während des Trainings habe ich auf jeden Fall begriffen wie bitter es werden kann, wenn man am Anfang mit seinen Körnern um sich schmeißt. Auch wenn ich noch so sehr das Gefühl hatte, dass es vieeeeeeeel zu langsam ist, war es doch meistens schon zu schnell. Ich will im Rennen zwar gewohnt offensiv agieren, aber mich ganz sicher nicht ins offene Messer stürzen. Ich wünsche allen Teilnehmern der Challenge Roth alles Gute! Zum schluss noch zwei Hinweise am Donnerstag, den 15.7 gibt es ab 17.00 Uhr die Möglichkeit mit den Erdinger Pros ein Bierchen zu zischen, natürlich bestes Erdinger. Location: Erdinger Urweiße Hütte. Außerdem gibt es zwei Möglichkeiten ein Autogramm zu ergattern, am Donnerstag auf dem Stand meiner Physiotherapeutin Brigitte Schmailzl (ab 15.30 Uhr) und am Samstag um 14.00 Uhr in der Erdinger Urweisse- Hütte. Ich freu mich auf euer Kommen.














